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Wenn es still ist, geschieht am meisten.

Søren Kierkegaard

Aus dem Onlineportal resonanzen-owl.de

 Ich ist niemand anderes 

Eine Liebeserklärung an dieses Leben und an alle, die dazugehören”, so nannte Elisabeth Lasche ihr vor vier Jahren erschienenes literarisches Debüt „Stubenflieger”. Nur wenigen war zuvor bekannt, dass die Bielefelder Künstlerin seit 2002 parallel zur Malerei regelmäßig zu Papier und Stift greift, um Erlebtes, Erinnertes, Nachdenkenswertes zu notieren. Erkennbar wurde in diesen unterschiedlich temperierten “Stubenflieger”-Miniaturen ähnlich wie in ihren Bilderzyklen eine innerlich bewegte Schaffenskraft, die immer auch mit Selbstbehauptung zu tun hat und mit Selbstentdeckung, nicht zuletzt mit dem Aufspüren alter Ängste. Darum geht es auch in ihrem aktuellen Buch “Zeit zur Neige”.

Die an sich locker angedachte und dann doch in unerwartete Tiefe reichende Zusammenkunft mit ihren Geschwistern anlässlich der Auflösung der elterlichen Grabstätte nimmt die Autorin zum Anlass für einen stark autobiografisch geprägten Rückblick auf ein Heranwachsen im evangelischen Pfarrhaus. Mit allen Belastungen, Bürden und Brüchen, die damit einhergingen, aber auch den großen Bereicherungen.

Es war einmal in Amerika

Eine erste Ahnung vom Wert des elterlichen Zuhauses bekommt die Erzählerin, als sie 1971 für ein Jahr als Austauschschülerin nach Amerika geht. “Kalter Entzug” nennt Elisabeth Lasche die ersten Wochen im kalifornischen San José bei ihrer sechsköpfigen Gastfamilie, die wahrlich nicht zur privilegierten Gesellschaftsschicht zählt.

Die Unterbringung deutscher AustauschschülerInnen in Familien wie dieser war Teil eines pädagogischen und wohl auch sozialempirischen Experiments, das wenige Jahre später zu den Akten gelegt wurde. Was schade ist, wenn man liest, wie cool und liebevoll und zugewandt die noch sehr jungen Eltern auf Zeit damals versuchten, der leicht verstockten Pastorentochter aus Hildesheim das Land der unbegrenzten Möglichkeiten schmackhaft zu machen. XXL-Portionen Icecream, tellergroße Steaks, Alkohol und Tabak spielen dabei eine nicht unwesentliche Rolle, aber vor allem die selbstverständliche Aufnahme in ihrem Haus und ihrem Leben.

 

 

Dazu gehören Ausflüge in der Familienkutsche, die nach San Francisco führen, die Hippiedörfer an der Pazifikküste und einmal sogar – um es dem Gast schön zu machen – nach Disneyland. Ein Schuss, der nach hinten losgeht. Denn Elisabeth Lasche erinnert ihr 17jähriges, zu Schwersinn neigendes Ich als latente Spaßbremse: “Sorry, ich muss das hier alles gerade richtig scheiße finden!”, schreibt sie, “Jawohl! Mein selbstgerechtes, kritisches Ich blockiert. Sehen die auch alle noch so toll aus, sind gut drauf und lassen den Tag gut angehen, ich doch nicht. Kritisch zu sein ist mein höchstes Gebot.”

Mit dem nötigen Abstand erkennt sie heute, dass die Leiden, die sie damals suchte, ebenso zu ihr passten wie die Ermutigungen, die sie erfuhr. Und das waren Lebensentscheidende. Aus Amerika zurück, schlägt die Autorin entschieden den Weg der Künstlerin ein.

Lebensangst und Gottesfurcht

Diesem langen “Amerika”-Kapitel, das nicht nur von einer spannungsreichen Individuation handelt, sondern auch ein Stück Zeitgeschichte erzählt, hat die Autorin eine lose Folge von Episoden und Erinnerungen an das Leben im Pfarrhaus, den Tod der Eltern und die Heimatstadt vorangestellt.

“Wie wurde ich die, die ich heute bin?”, so lautet auch in diesen lebendigen Schilderungen eine wesentliche Frage, aber der Fokus verschiebt sich auf die Biografie des Vaters und auch der Mutter, die einen überraschenden Tod starb und der Elisabeth Lasche mit “Ilse” ein Extrabüchlein gewidmet hat. Es ist, als hätte sie erst aus dem Schatten dieser beiden bemerkenswerten Menschen heraustreten müssen, um sie im neuen Licht sehen zu können, ihre Lebensangst und Gottesfurcht zu begreifen und sich am Ende selbst wiederzufinden im Kreis derer, die sie liebten und bewunderten. Gefühle, die ihr als aufbegehrende Jugendliche fremd waren.

Es ist Psychogramm, Milieustudie, Zeitzeugnis, Erfahrungsbericht einer Generation und Heldeninnenreise gleichzeitig, was der Autorin mit “Zeit zur Neige” in den besten Momenten gelingt. Ein intimes Buch, aber kein privates. Das macht seine Güte aus.

Autorin: Antje Doßmann

Elisabeth Lasche: “Zeit zur Neige”, KunstSinn-Verlag, 200 S., 19 Euro.

Elisabeth Lasche

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